Schritte zur Veränderung der Persönlichkeit #1

Gottes Weg mit Gideon

von Martin Lorch, Quelltext #1

I   Ängste gestalten unser Leben.

Der Beginn unseres Lebens ist eine spannende Angelegenheit. Wir werden aus der totalen Geborgenheit ausgetrieben in die Fremde des Lebens. Wir beginnen unser Leben mit einem Schrei. Damit beginnt unser eigener Lebensatem.

1. Die Fähigkeit, Angst zu empfinden und entsprechend darauf zu reagieren, ist eine Gabe Gottes zum Leben!

Wir produzieren Angst, um unser Leben zu bewältigen und uns zu schützen. Wenn wir zum Beispiel an der Straße stehen, und es naht sich ein Lastwagen, wird unsere Furcht uns retten. – Wir werden besonders aufmerksam sein und uns hüten, es auf eine Kraftprobe mit dem Kühler des Lastwagens ankommen zu lassen. Angst kann aber auch das Gegenteil bewirken: Ein Kind fürchtet sich vor der Dunkelheit. Es geht deshalb nicht in den Keller, um Getränke zu holen. Bei Erwachsenen kann die Angst solche Formen annehmen, daß selbst gegen besseres Wissen diese Ängste zur starken Einengung und zur Depression führen können. Unsere Angst braucht eine Kontrolle, einen Maßstab.

2. Als Gegengabe zur Angst hat Gott uns das Vertrauen gegeben.

Genauso wie wir uns Angst machen vor etwas, können wir Vertrauen schenken.

Damit werden Ängste überwindbar. Jesus hat gesagt: „In der Welt habt ihr Angst. Aber seid mutig, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh.16,33) Das Vertrauen oder die Liebe ist das Gegenmittel gegen die Angst. „Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ (1.Joh. 4,18) Jesus sagt nicht: „Ich werde eure Angst überwinden.“ Sonst würde er unser Schutzbedürfnis verletzen, und wir hätten noch mehr Angst, – sondern er überwindet das Lebensbedrohliche in der Welt = Wir können das Gegenmittel gegen unsere Angst entwickeln: Vertrauen und Liebe. In unseren Seelsorge-Tagen haben wir im Alten Testament einen Menschen entdeckt, der uns sehr zum Vorbild geworden ist: GIDEON, einer der Richter „(charismatischer Volksführer) des Volkes Israel“. Sein Name bedeutet: Umhauer, (Holz)fäller. Wer die Geschichte Gideons liest (Richter 6-8), begegnet einem Menschen, der durch die Begegnung mit Gott eine grundlegende Veränderung seiner Persönlichkeit erlebte. Zuerst sehen wir aber Gideon als einen Menschen, der – entsprechend seiner Umgebung – aus der Angst heraus sein Leben gestaltet.

Wir können zunächst entdecken:

II.  Wie Angst das Leben ver-kehrt:

1. Der Mensch in Angst geht in den Rückzug.

Im Kapitel 6,2 lesen wir: „Als die Midianiter (Feinde des Volkes Gottes) zu stark wurden über Israel, machten sie sich in den Bergen Schluchten zurecht und Höhlen und Festungen.“

Wer Angst hat, baut Mauern, um sich zu schützen. Ein Mann streitet mit seiner Frau. Irgendwann fängt einer an zu schweigen. Da wird gemauert und der Rückzug angetreten. Wer Angst hat überläßt das Feld den anderen.(V:3-5) „Ich trau mich nicht was zu sagen…Ich kann das nicht…Ich halte mich raus…Ich passe mich an…Der Klügere gibt nach…“ Angst bewirkt, daß ein Teil unseres Lebens brach liegt und andere unsere „Frucht“ rauben, vor allem dann, wenn wir anderen, scheinbar stärkeren Menschen begegnen.

2. Der Mensch in Angst verliert den Blick für die Realitäten des Lebens.

Kapitel 6,6 lesen wir: „So wurde Israel sehr schwach vor den Midianitern.“ Stimmt das? Gideon und die anderen hätten sich ereifert, wenn wir sie in ihren Höhlen und Festungen mit einem Team von Israel-TV interviewt hätten.

Im seelsorglichen Gespräch habe ich oft gefragt: „Bist du bereit Deinen Eltern zu vergeben und sie loszulassen?“ und bin mit den Gesprächspartner die Schritte der Vergebung gegangen. Wer dies nicht vollzieht, wird einer wie der Schalksknecht, der die Vergebung nicht empfangen kann und über den nächsten herfällt, um seine Ansprüche einzuklagen. (Mt.18,21-35).

3. Die Berufung annehmen und tun.

Gott will uns zu mündigen, reifen Menschen machen, die im Vertrauen auf ihn ihr Leben entfalten und ihre Berufung erkennen und den Willen Gottes tun. Das ist das Faszinierende bei Gott = Gideon findet im Vertrauen zu Gott zu seiner eigentlichen Identität:V12 „Du streitbarer Held.“ Er wird zu dem, was er ist. Er wird zu einem weisen, mutigen Menschen, der für seine Familie eine befreiende Veränderung bewirkt. Er wird zu einem Menschen, der sein Volk herausführt aus Ängsten und Abhängigkeit. Er wird zu einem Menschen, der ein Bote Gottes wird. Er wird zu einem Menschen der aus der Kraft Gottes lebt. (K.6,34). An ihm wächst für andere Lebensmut, Glaube, Gottvertrauen, Kraft und Kampfgeist.

In der Bibel ist viel über Frauen und Männer berichtet, die in der Begegnung mit Gott ihre Angst überwunden haben und ihre Identität und ihre Berufung erkannt haben. Die „Helden“ der Bibel sind Menschen wie du und ich. (Abraham, Esther, David, Josaphat, Jesaia, Maria, Petrus, Paulus, Lydia, Pryscilla und Aquilla um nur einige zu nennen.) Selbst Jesus war nicht der „Kam-Sah-Siegte-Typ“, sondern er mußte diese 3 Schritte gehen, um seine Berufung anzunehmen und den Willen des Vaters zu tun – auch mitten durch Ängste hindurch (Lk.12,50).

Dieser Weg ist nicht immer ein Höhenweg, sondern immer wieder angefochten. Auch bei Gideon lesen wir, daß er im Alter wieder auf die „Götzen“ der Väter zurückgegriffen hat. (K.8,27). Martin Luther prägte den Satz: „Buße ist ein tägliches Geschäft.“ Als Mensch mit Persönlichkeit zu leben, bedeutet, täglich unsere Anschauung und Perspektive zu überprüfen. Jesus sagte: „Tut Buße (griechisch: Metanoia), denn die Gottesherrschaft ist da. „Metanoia bedeutet Umdenken. Es kommt also jeden Tag darauf an, unser Denken zu überprüfen auf Ver-kehrtheiten, auf falsche Ansichten und wieder neu auf Gott zu schauen und zu hören und ihm zu vertrauen.

Wie kann nun dieses Zerstören der Götzen der Väter und Mütter aussehen? Das ist ein äußerst heikles und dramatisches Geschehen. Manche bekämpfen ihre Väter und Mütter. Das wäre eine tragische Verwechslung. Auch für Gideon bleibt das 4. Gebot: „Du sollst Vater und Mutter ehren.“ gültig. Aber wir sollen nicht ihre „Götzen“ ehren. Manche Eltern verhalten sich nicht so verständnisvoll wie Gideons Vater. In diesem notwendigen Prozeß der Ablösung und Auseinandersetzung (1.Mos. 2,24) wird vieles verwechselbar und mißdeutig. Deshalb ist es gut, den Prozeß in Liebe und Geduld zu bewältigen. Aber Ent-Scheidungen müssen getroffen werden. Sie bleiben uns wie Gideon nicht erspart. In diesem Prozeß begegnen wir noch einmal unseren Ängsten. Angst kann ein Mittel sein, Menschen an sich zu binden. Das ängstliche Kind bindet die Eltern an sich, daß sie es nicht verlassen. Die ängstlichen, besorgten Eltern binden das Kind an sich und können es nicht loslassen. Konkrete Schritte sind nötig, damit diese Ent-Bindung gelingt:

1. Sich Gott hingeben:

Dies ist ein Schritt des Vertrauens. Bei Gideon ging er der Ablösung vom Vater voraus. Bei Gott empfangen wir das, was wir schon immer suchten. Anerkennung, Wertschätzung, Liebe, Geborgenheit, Kraft, Gaben, Orientierung.

Wer in Gott seinen Durst stillt, braucht keine anderen Menschen als „Quelle“ für sich. (Joh.7,37f) Im Vertrauen werden wir freigesetzt aus Bindungen.

2. Die Eltern „verabschieden“.

Wir müssen nicht mehr als Kinder ihre Ansprüche erfüllen. Sie sind auch nicht mehr für unsere Erwartungen in Anspruch zu nehmen.

Am besten wir übereignen Gott unsere unerfüllten Ansprüche (Lastschriften) und leben aus der Liebe Gottes. Damit „entlassen“ wir unsere Bezugspersonen (Eltern, Ersatz-Eltern, Ersatz-Partner) aus der Schuld. Die Bibel nennt das Vergebung. In dieser neugewonnenen „Gelassenheit“ und Freiheit können wir aus der Liebe Gottes heraus überlegen: „Was kann ich meinen Eltern Gutes tun? Das braucht sicher einige Zeit des Einübens, weil damit eine neue Rolle übernommen wird. Wir sind Gegenüber und Partner der Eltern geworden.

„Natürlich stimmt das!“ Sie hätten eine „Story“ nach der anderen erzählt. „Wir können nicht. Wir sind überfordert!“ Und sie hätten Hunderte von Argumenten zusammengetragen, um uns zu beweisen, daß ihre An-Sicht stimmt. Die Geschichte widerspricht dieser Theorie: K.7,17-22 lesen wir, daß 300 Männer genügten, um die so schreckliche Übermacht der Midianiter aus dem Land zu vertreiben.

Gleichen wir nicht oft dem Gideon und seinen Zeitgenossen?

Wir schauen auf die sogenannten Tatsachen und haben ein ver-kehrtes Selbstbild.

„Ich kann nicht.“ Müßten nicht 70-80 % unserer „Ich kann-nicht-Sätze“ ehrlicherweise so lauten: „Ich habe Angst, deshalb will ich mich davor schützen und will nicht…“

Der Psychologe Alfred Adler sagte einmal: „Nicht die Tatsachen sind das Problem, sondern wie ich sie deute.“ Aus einer ver-kehrten Anschauung heraus, wird der Starke zum unüberwindlichen Bedrohenden, werde ich als der weniger Starke zum kleinen Bedrohten. Jede Bemerkung, jede Geste in einem Konflikt wird gebucht auf das Konto: „Sieh an ich habe es gleich gewußt. Es hat alles keinen Wert.“

3. Der Mensch in Angst tut das Ver-kehrte.

K.6,11 heißt es: „Und Gideon drosch Weizen in der Kelter, damit er ihn berge vor den Midianitern.“ Geht das überhaupt, in der Kelter Weizen dreschen? Damals war die Kelter eine Grube, also ein gutes Versteck für den ängstlichen Gideon. Aber wie kann man dreschen mit dem Dreschflegel und dabei leise sein? Das muß ja furchtbar anstrengend gewesen sein. Vielleicht hat Gideon die Körner gar mit bloßen Händen aus dem Spelz gepopelt? Wir merken, Angst bringt Menschen dazu, das zu tun, was ver-rückt ist. Der ängstliche Mensch ist erfindungsreich, aber er muß sich dabei fürchterlich( im wahrsten Sinn des Wortes) anstrengen.

Angst führt zu Müdigkeit, zur Erschöpfung, zur Resignation und Depression.

°Da will einer besonders gut sein und verkrampft in einen starren Perfektionismus.

°Da will einer das Gute tun, und das Böse kommt dabei heraus.(Rö.7)

°Da will einer besonders fromm sein und landet in der Fleischlichkeit. -Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach…

°Da will jemand mit Leistung Anerkennung verdienen und versäumt dabei das  Wesentliche (Maria und Martha)

°Da liebt jemand den Ehepartner und will ihn nicht verlieren und nimmt ihm durch die Eifersucht den Atem.

°Da liebt eine Mutter ihr Kind und will es vor allem schützen und bewahren und macht ihr Kind unfähig, Krisen und Spannungen eigenverantwortlich zu meistern.

„Angst ist ein schlechter Ratgeber“ sagt der Volksmund. „Furcht ist nicht in der Liebe“ sagt Johannes (1.Joh. 4,17). Angst bringt uns dazu, daß wir das Verkehrte tun.

III. Die Liebe Gottes treibt die Furcht aus.

Gott sei Dank gibt es nun einen, der dieser Anschauung widerspricht: Es ist Gott selbst. Bei Gideon kommt der Engel des Herrn mitten in die Verkehrtheit seines Lebens (6, 11+12). Nun entwickelt sich ein bemerkenswerter Dialog zwischen Gott (vertreten durch den Engel) und Gideon. Wir entdecken darin einen Prozeß: Gott begegnet dem Gideon mit Vertrauen und will bei Gideon Vertrauen wecken und aufbauen. Gideon begegnet Gott mit ängstlicher Verzagtheit und wird systematisch zum Vertrauen aufgebaut. Stellen wir das einmal Schritt für Schritt gegenüber:

1. Zuspruch

Gott begegnet dem ängstlichen Gideon mit einer völlig anderen Perspektive:V12 „Der Herr mit dir, du streitbarer Held.“ Welch ein Kontrast zu dem Bild, das Gideon abgibt. Aber so ist es. Gott hat ein gutes Bild von uns Menschen. (2.Kor. 3,18)

1. Einspruch

Gideon wehrt ab mit der Warumfrage des Leidens und deutet die Wirklichkeit anders (aber falsch):V13 „Nun aber hat uns der Herr verstoßen.“ Wir spüren die Schutzmauer der Anklage und des Mißtrauens gegen Gott: „Laß mich in Ruhe. Ich glaube dir nicht. Du bist schuld.“ Gott hält unsere  Projektion gegen ihn aus.

Ein paar Beispiele:

  • eine ängstliche, überfürsorgliche Mutter vermittelt dem Kind: Du kannst allein nicht leben…(Anpassung)
  • ein autoritärer Vater vermittelt unbewußt das Modell: Macht muß durch Macht behauptet werden. So entsteht der Kleinkrieg in den Familien. (Rebellion).
  • Das Kind soll es besser haben, sagen die Eltern und sind mit dem Guten nicht zufrieden. (Perfektionismus)
  • „Sei lieb“ sagen die Eltern, und meinen mein Wohlverhalten, meine Anpassung und meine Leistung. Aber Liebe ist nicht Leistung. (Leistungsorientierung).
  • „Du mit deinen zwei linken Händen! Laß es mich machen! Wann endlich wirst du…?? (Mangelndes Selbstvertrauen).

Wie viele „Immer“- „Nie“- „Andauernd“- Sätze haben wir schon gehört? Wir Kinder haben unbewußt ein perfektes Zusammenspiel mit unseren Eltern eingeübt. Als Erwachsene übertragen wir es auf unsere Umwelt, auf unseren Ehepartner, auf unsere Kinder (Familientradition setzt sich fort ins 3. und 4. Glied!). Selbst Gott wird nun eingebaut in unser unbewußtes System von Angst und Mißtrauen, Anerkennung und Anpassung, Macht und Verweigerung.- Unser Glaubensbekenntnis und unser Dogma mag einwandfrei biblisch klingen. Aber unser Verhalten verrät, welches falsche, unbiblische Gottesbild (Götze) wir von Gott, dem Vater Jesu Christi, haben. Wir brauchen nur die Testfrage an den heutigen Tag stellen: Ist in meinem Verhalten heute deutlich geworden, daß ich als das bedingungslos angenommene Kind des himmlischen Vaters gelebt habe, dem alle Resourcen des Vaters zu Verfügung stehen? (Luk.15,31). War das spürbar in meinem Bibellesen, in meinem Beten? Hat es meine Beziehung geprägt, zu meinem Ehepartner, zu meinen Kindern? War dies bestimmend in der Begegnung mit Chefs, Kollegen, Freunden? Hat dies meine Entscheidung geprägt?

Vermutlich haben wir im Nachdenken den einen oder anderen „Götzen“ entdeckt:

Schauen wir noch einmal genauer hin:

Wir entdecken noch eine weitere, vierte Verkehrung, die der Mensch in der Angst erlebt: Die religiöse Absicherung: Gott Jahwe war eigentlich zuständig  fürs Nomadenvolk Israel. Aber die Götter der Kaaniter waren scheinbar zuständig für das Land, die Fruchtbarkeit des Ackers (Baal) und für die Fruchtbarkeit der Frau (Aschera). So wollte man sich nach allen Seiten absichern.

Gleichen wir nicht auch solchen Menschen? Wir leben in einer Zeit der umbrechenden Werte und Gesellschaftsformen. Womit sichern wir uns heute ab? Die Namen der „Götzen“ lauten heute völlig anders: Anerkennung, Macht, Status, Geld, Sex, Karriere, New-Age, Vergötzung des Bios und, und, und. Führen wir dieses Streben des Menschen auf den Kern zurück, entdecken wir, daß es sich um Versuche handelt, sich in einer vergehenden Welt abzusichern. Das Motiv des modernen Menschen ist eine tiefe Lebensangst. Wie erschütternd ist es, daß davon die Kirchen-Christen genauso betroffen sind, wie die anderen Menschen. Ist es nicht ein Zeichen dafür, daß wir unsere Kirchen, unsere Gottesdienste als kraftlos erleben? Ist es nicht so, daß wir von der Umwelt negativ geprägt und beeinflußt werden, anstatt als Christen unsere Umwelt positiv zu durchdringen? Könnte es sein, daß wir uns, vielleicht in verfeinerter Form als die Nichtglaubenden, in unseren Ängsten auf viele verschiedene „Götzen“ verlassen, als allein nur auf den dreieinigen Gott?

Ich bin überzeugt, daß wir heute von Gott genauso gerufen werden, die Götzen unserer Väter und Mütter zu zerstören. Wir übernehmen weitaus mehr von unseren Eltern an Prägung, Lebensanschauung und Lebensstil, als wir bereit sind zu glauben. Sicher ist uns von unseren Eltern viel Gutes „in die Wiege“ gelegt worden, haben wir Leitlinien empfangen für unser Leben. Aber weil wir als Kinder noch nicht in der Lage sind, rational zu reflektieren, übernehmen wir eben auch das Negative, „die Götzen“ unserer Eltern und Voreltern.

2. Zuspruch

Gott hält an Gideon und an seiner positiven Sichtweise fest: V14 „Siehe, ich habe dich gesandt.“ Gott glaubt an Gideon: „Geh hin in dieser deiner Kraft.“ Gott gibt zu seiner Berufung auch die Ausrüstung. Das würdigt den Gideon.

2. Einspruch

Gideon kommt mit seinen Minderwertigkeitsgefühlen: V15 „Mein Geschlecht ist das Geringste, und ich bin der Jüngste. Minderwertigkeitsgefühle dienen der Entlastung = weil ich nichts bin, weil ich nichts kann… muß ich nicht…

3. Zuspruch

Gott bleibt in seinem Glauben eindeutig: V16 „Ich will mit dir sein, du sollst schlagen wie einen Mann. Gottes Zusagen sind eindeutig, nicht vieldeutig und mißverständlich oder gar unzuverlässig. Gottes Gaben und Berufungen können ihn nicht gereuen. (Rö.11,29). Gott ist treu und deshalb glaubwürdig.

3. Einspruch

Gideons Antwort und Handlungsweise zeigt, dass er noch zweifelt. Er lässt es noch offen. Es scheint ihm noch zweideutig zu sein V17: „Habe ich Gnade gefunden? Ist es so oder nicht? Wenn, dann mache mir doch ein Zeichen, dass du es bist, der mit mir redet!“ Gideon will Sicherheit. Und das Erstaunliche: Gott lässt sich darauf ein.

Es kommt nun zu einem Art „Zwischenspiel“, das wir überschreiben könnten:

IV. Hingabe führt zum Vertrauen.

Gideon bringt nun „etwas“ von sich, eine kleine Gabe (V18): „Geh nicht fort, bis ich wieder komme und bringe meine Gabe und lege sie vor dir hin. Es ist noch nicht seine ganze Hingabe, aber es ist ein kleines Zeichen dafür, daß Gideon bereit ist, sich auf Gott einzulassen. Und Gott ist so einfühlsam und zärtlich, daß er diesen kleinen Schritt mitgeht. V18 „Ich will bleiben, bis du wiederkommst.“

Es begegnet uns in der Bibel öfter, daß Gott dem Menschen in seiner Angst und Begrenztheit begegnet:

  • Mose bringt sogar fünf Einwände vor gegen die Berufung Gottes .Und Gott läßt sich darauf ein. (2.Mos. 3+4)
  • Jesus begegnet dem Petrus so, daß er ihn um das bittet, was ein Fischer für ihn tun kann. (Luk. 5,1-11)
  • Jesus begegnet der Frau aus Samarien mit der einfachen Bitte: „Gib mir zu trinken „und überschreitet damit die Grenze ihrer Isolation. (Joh. 4,6ff)
  • Jesus begegnet dem Versager Petrus so entgegenkommend (nur im griechischen Ur-Text erkennbar), daß er sich herunter begibt auf das Niveau von Liebe, das Petrus im Moment geben kann. Es ist nicht mehr die stolze, überschäumende Hingabe, sondern die im Leiden gereifte Liebe. Sie aber genügt für die Berufung zum Hirtenamt: „Weide meine Schafe.“ (Joh. 21,15-17)

Wer sich auf Gott einläßt, ihm Vertrauen schenkt, an ihn glaubt, der erfährt eine Schubkraft an Vertrauen und Liebe.(Jesus sagte sehr häufig: „Dein Glaube hat dir geholfen.“) So können wir auch das Wort Jesu verstehen (Luk 6,38) „Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes Maß wird man in euren Schoß geben.“ Wir können Gott im Hin-Geben nicht übertreffen:

  • Wir geben unsere Schwachheit.
  • Er gibt uns seine Kraft.
  • Wir geben unsere Schuld.
  • Er gibt uns seine Liebe.
  • Wir geben ihm unser geängstetes zerschlagenes Herz.
  • Er gibt uns  seinen starken Glauben.
  • Wir geben ihm unsere Begrenztheit.
  • Er gibt uns seine Möglichkeiten.
  • Wir geben unsere Armut.
  • Er gibt uns seinen Reichtum.

Einen solchen liebenden Vater-Gott haben wir!

V. Gott kommt ans Ziel – der Mensch wird freigesetzt.

Der 4. Zuspruch Gottes steht noch aus:

4. Zuspruch                                                                  

V23: “Friede sei mit dir, fürchte dich nicht, du wirst nicht sterben“. (Weil Gideon in der Begegnung mit Gott zu Tode erschrocken ist V22). Gottes Vertrauen hat durchgehalten. Gott kommt bei uns Menschen ans Ziel. Wir werden erinnert an das Grußwort des Auferstandenen Christus an die ängstlichen Jünger: (Joh. 20,21) „Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“

4. Einspruch

Gideons Antwort ist nicht mehr Widerspruch sondern Zustimmung, Einwilligung: V24 „Da baute Gideon dem Herrn dort einen Altar und nannte ihn: „Der Herr ist Friede.“ Gideon ist aufgebaut worden im Vertrauen. Seine Selbstsicht, seine Anschauung, seine Perspektive hat sich verändert.

Wird nun Gideon auf die „Menschheit“ losgelassen? Nein es braucht noch einen wichtigen Schritt zur Veränderung der Persönlichkeit des Gideon:

VI. Zerstöre die Götzen Deines Vaters.

Nun kommt eine aufregende Geschichte, die mit einer Aufforderung Gottes beginnt: V25 „“Reiße nieder den Altar Baals, der deinem Vater gehört und haue um das Bild Aschera (das deiner Mutter gehört?), das dabei steht, und baue dem Herrn, deinem Gott oben auf der Höhe dieses Felsen einen Altar.“ Gideon, immer noch nicht ganz frei von Angst, sucht sich Verstärkung und macht eine Nacht- und Nebelaktion, eine Mischung aus „Dummer-Junge-Streich“ und „Schändung eines Heiligtums.“ Entsprechend sind auch die Reaktionen. Die Stadtbevölkerung fordert aufgebracht „den Kopf“ Gideons. Der Vater jedoch ahnt, was bei Gideon geschehen ist. Er stellt sich vor ihn V31: „Streite doch Baal mit ihm.“ Daraus wurde der „Spitzname (oder Ehrenname?) Jerubbaal. Aus dem Gideon ist wirklich ein Umhauer geworden.

Ich erlebe es so: Wenn ich morgens aufwache, kreisen meine Gedanken schnell um Dinge, die mich heute erwarten. Oft sind es keine guten Gedanken, und ich spüre, wie Angst in mir hochsteigt. Dann bete ich: „Ja, Herr, Du bist da. Ich danke Dir dafür. Ich will diesen Tag aus Deinen Händen nehmen. Ich will Dir vertrauen und aus Deiner Kraft für heute leben.“ Damit fühle ich mich ermutigt, den Tag mit seiner Herausforderung anzupacken.

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