In den letzten Jahren gab es eine Flut von Büchern über den Heiligen Geist. Bei einigen dieser Veröffentlichungen hatte ich manchmal den Eindruck, der Heilige Geist ist dazu da, daß aus normalen, gewöhnlichen Christen so etwas wie christliche Superstars werden. Es ist wie im Märchen: Alles, was vorher schief lief, gelingt nun. Die Familie, die vorher das Aussprechen des Wortes Jesus verboten hat, kommt zum Glauben und ruft wie ein frommer Fanclub: Laß uns auch so werden wie du!
Was der Mensch von einer Gießkanne lernen kann
Die Fähigkeit, Angst zu empfinden und entsprechend darauf zu reagieren, ist eine Gabe Gottes zum Leben!
„Ich habe mir vorgenommen… Und jetzt ist wieder alles beim Alten!“ – Wer kennt das nicht? Gute Vorsätze wurden gefaßt, aber nach einigen Wochen ist man wieder in das alte Fahrwasser geraten.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem jungen Mann: „Ich gehe ins Bett, um fit zu sein, um am nächsten Tag arbeiten zu können. Ich arbeite, damit ich abends müde ins Bett falle. Und dann geht alles wieder von vorn los. Was ist eigentlich mein Leben wert? Ich will nicht, daß auf meinem Grab steht: Arbeit war mein Leben! Wo bleibe ich eigentlich?
Ist das alles? Ich habe ‚Reste‘: nicht genug geschlafen, nicht genug gearbeitet. Deshalb muß ich sonntags aufarbeiten, was unter der Woche liegengeblieben ist. So geht es einfach nicht. So kann es nicht gehen!“
Ein junger Mann saß vor mir und redete sehr offen auch über Dinge, die ihn bedrückten, wo er versagt hatte und sich schuldig fühlte. Ich versuchte, ihm die liebende Zuwendung Gottes in Jesus Christus zu erklären und nahezubringen. Nach längerem Gespräch schlug ich ihm vor, ob er seine Schuld vor Gott bringen wollte, und ich ihm im Namen Jesu die Vergebung zusprechen könnte. Da brach es aus ihm heraus: „Weißt, du, andren mag Gott ja ihre Schuld vergeben, aber für mich kann das nicht gelten. Ich kann es einfach nicht glauben!“
Es ist gut, daß in den letzten 20 Jahren das Thema ‚Seelsorge‘ in den geistlichen Aufbrüchen immer mehr Raum einnimmt. Es braucht eine Sicht für eine lebendige Praxis der Seelsorge in den Gemeinden, Hauskreisen, Mitarbeiterkreisen. Mitarbeiter, vor allem sich ehrenamtlich Engagierende, brauchen Ermutigung, Zurüstung und Schulung für den Umgang mit den Menschen, die als Bedürftige Hilfe, Gespräche, Beratung suchen. Seelsorge ist nach dem Zeugnis der Bibel eine Grundgabe und Berufung für jeden Christen.
Darin verwirklicht sich das „allgemeine Priestertum aller Gläubigen“.
Die denkwürdige Begegnung der beiden resignierten Jünger auf dem staubigen Weg nach Emmaus (Lk. 24, 13-35) ist für mich eine der faszinierendsten Oster-Erzählungen. Mit diesen beiden Jüngern kann ich mich identifizieren. Von ihrer Glaubenserfahrung werde ich angesteckt. Diese Erfahrung des Glaubens können auch heute unsere persönliche Erfahrung werden – sei es, daß wir – wie diese beiden Jünger – erleben, wie wir aus einer Resignation plötzlich aufbrechen können mit neuer Hoffnung – oder, daß wir als Mitarbeiter in der Gemeinde von der Art und Weise der Seelsorge Jesu lernen, wie wir resignierten Menschen begegnen können.
„Not lehrt beten“ heißt ein alter Spruch. Es ist, wie wenn man in’s Wasser fällt und jetzt eigentlich schwimmen lernen müßte. Es ist wie eine ‚Feuerwehr-Beziehung‘: „Kommt schnell, es brennt schon!“ Was ist da noch zu retten? Es ist wie die Versicherungspolice in der Schublade. Was haben wir letztlich davon? Lohnt es sich nicht, sich vorher schon Gedanken zu machen, wer Gott ist und welche Beziehung wir zu Gott haben und mit welcher Kraft und mit welchen Gaben wir leben können – bevor der ‚Ernstfall‘ kommt?
„Da gingen die Lichter aus!“ – so erzählen Menschen die eine Katastrophe erlebt haben. Zunehmende Dunkelheit, das erfahren Menschen, die in letzter Zeit die Nachrichten aus aller Welt verfolgen. Da erschießt ein frustrierter Schüler seine Lehrer wie auf dem Schießstand. Eine Gesellschaft ist fassungslos! Da werden Flugzeuge mit Hunderten von Menschen zu Terror-Bomben umfunktioniert. Da hält ein Vater seine kleine Tochter mit einem Sprengstoff-Attrappengürtel als zukünftige Selbstmord-Attentäterin in die Kamera. – Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Die Angst, vor dem was kommt, wird spürbar. Die Hilflosigkeiten der Verantwortlichen und Politiker wird in den Medien diskutiert. – Weltuntergangsstimmung?
Auf einem Seelsorge-Seminar bat der Referent um einen Freiwilligen – es meldete sich einer der Teilnehmer. Der Referent gab ihm einen Bindfaden, an dem ein Gewicht befestigt war. „Bitte lassen Sie jetzt dieses Gewicht von Ihrer ausgestreckten Hand aus frei kreisen. Nach kurzer Zeit fuhr der Referent fort: „Bitte lassen Sie jetzt unter allen Umständen das Gewicht weiterkreisen. Ich möchte Sie aber bitten, sich vorzustellen, dass das Gewicht hin und her pendelt.“ Er wiederholte die Bitte mehrmals. Gespannt schauten wir dem Experiment zu.
Ein vielleicht überraschendes Thema für manche. Versöhnt mit Menschen nach einem Streit – das können wir verstehen. Versöhnt mit Gott – ja, das ist ein Kernsatz des christlichen Glaubens, doch manchmal nicht so einfach zu verstehen. Aber mit mir selbst versöhnt sein – gibt es das? Ist das nötig?












